Best of the year 2012-2013 - page 2

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inem Boxenkenner etwas
über den Manger-Wandler
zu erzählen, hieße Eulen nach
Athen tragen. Den nach seinem
Erfinder benannten Biege­
wellenstrahler gibt es schließ-
lich seit fast 30 Jahren. Viele
Audiophile sind dem vollstän-
dig flachen Treiber schon mal
in irgendeiner Form begegnet,
oft in der Bausatz- oder Profi-
Szene, wo der Strahler einen
exzellenten Ruf genießt.
Dass er dennoch ein wenig
inVergessenheit geriet, mag der
Tatsache geschuldet sein, dass
andere (größere) Hersteller
mehr Werbung schalten und
häufiger neue Modelle auf den
Markt bringen als die kleine
fränkische Firma. Hier hat
Daniela Manger, die Tochter
des Gründers, nach ihrem
Studium der Elektrotechnik
das Ruder übernommen. Vater
Josef, Jahrgang 1929, ist im
Hintergrund nach wie vor aktiv,
verfasst wissenschaftliche Ab-
handlungen und plant diverse
Patentanmeldungen.
Der Manger-Wandler basiert
auf Annahmen aus der Hör­
physiologie und legt den
Schwerpunkt auf die bei
Geräuschen und Klängen all-
gegenwärtigen Einschwing­
vorgänge. Mangers Aussage:
Herkömmliche Schallwandler
speichern in ihren Membranen
undAufhängungen Energie und
fügen dem Signal leise Ein-
schwinggeräusche hinzu, die
unser Gehör ablenken und die
Verständlichkeit mindern.
SeineAntwort ist ein System
mit einer biegeweichen Platte,
bei der Gewicht und Steifigkeit
mit der Länge des Radius vari-
ieren. Die elektrische Energie
wird durch eine große Doppel-
schwingspule eingeleitet. Die
am Rand mit ihrem Wellen­
widerstand abgeschlossene
Membran erzeugt Biegeschwin-
gungen. Eine ausgeklügelte
Abstimmung verhindert eine
Speicherung von Energie – und
ermöglicht so ein nachweislich
überragendes Einschwing­
verhalten.
Manger MSMs1,
13200 Euro
Kurz-Charakter
Die Manger-Box glänzt
mit einer einzigartigen
Offenheit und Präzision,
die man nach kurzer Zeit
schon nicht mehr missen
möchte. Die Abbildung ist
holografisch genau und
lebensecht.
Technik im Detail
So arbeitet der Manger-Wandler
Das verstärkerseitig ankommende Signal
verarbeitet der Manger-Wandler ähnlich wie
konventionelle Chassis: mittels einer strom-
durchflossenen Schwingspule, die einem
Feld von 15 kreisförmig angeordneten
Magneten aus Neodym ausgesetzt ist und
so das elektrische Signal in mechanische
Schwingungen verwandelt. Die mit 70 Milli­
meter Durchmesser extrem große, doppelt
gewickelte Spule wiegt nach Hersteller­
angaben ganze 0,4 Gramm und soll extrem
kurze Anstiegszeiten ermöglichen. Während
herkömmliche Membranen sich idealisiert
wie starre Kolben verhalten, nutzt Manger
eine weiche Membran mit veränderlicher
Dicke und Zusammensetzung. Größe und
Material sind so austariert, dass die sich
kreisförmig ausbreitenden Biegewellen eine
extreme Bandbreite abdecken, die mit klei-
nen Abstrichen von 80 bis nahe 40 000
Hertz reicht – das sind mehr als neun (!)
Oktaven. Kein anderer Breitbänder erreicht
solche Werte bei vergleichbar gutem Rund-
strahlverhalten. Die genaue Zusammen­
setzung der Membran ist ebenso wenig in
Erfahrung zu bringen wie andere Details.
Daniela Manger, die seit einigen Jahren die
Geschäfte führt, gibt sich diesbezüglich
ebenso zugeknöpft wie früher der Vater.
Verständlich, da die vor Nachbau schüt-
zenden Patente ausgelaufen sind. Die in
der Aktivbox vorhandenen elektronischen
Filter korrigieren den Frequenzgang gering-
fügig, ohne das überragende Impulsverhal-
ten zu schmälern. So glättet die Elektronik
beispielsweise die bauartbedingte kleine
Senke, die die Weichmembran bei etwa 1,5
Kilohertz erzeugt. In den Aktivboxen klingt
der Wandler, der über die Jahre deutlich
wattgenügsamer wurde, reiner und genauer
denn je. Die sanft und klangschonend
arbeitenden Limiter sind für den Bass und
den Manger-Wandler separat ausgeführt
und auf die Belange der jeweiligen Treiber
abgestimmt. Wenn einer der Limiter an-
spricht, wechselt die rechte Leuchtdiode
an der Boxenvorderseite ihre Farbe. Die
linke dient als Betriebsanzeige.
Die Box ist in
allen denkbaren
Farben lieferbar.
Ein Probehören
zu Hause kostet
160 Euro, die
beim Kauf
verrechnet
werden.
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